Ratgeber

Welche Prozesse sollte man zuerst automatisieren?

Wenn du dich fragst, welche Prozesse du in deinem Unternehmen zuerst automatisieren solltest, lautet die direkte Antwort: Beginne immer mit den Abläufen, die hochgradig standardisiert sind, oft wiederholt werden und ein geringes Risiko bergen. Gerade für KMU und kleine Teams ist es verlockend, sofort das größte und komplexeste Problem lösen zu wollen. Doch der erfolgreichste Weg führt über kleine, schnelle Erfolge. Sie schaffen Akzeptanz im Team, entlasten sofort und spielen die Investition schnell wieder ein. Bevor du tief in komplexe Lösungen einsteigst, solltest du deine Abläufe kritisch prüfen.

Das Priorisierungsmodell: Sieben Kriterien für deinen Start

Damit du nicht aus dem Bauch heraus entscheidest, hilft ein systematisches Priorisierungsmodell. Bewerte jeden potenziellen Prozess in deinem Unternehmen anhand der folgenden sieben Schlüsselfaktoren. Je mehr Faktoren zutreffen, desto besser eignet sich der Ablauf für den Start.

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Häufigkeit

Wie oft wird die Aufgabe ausgeführt? Ein Prozess, der täglich dutzende Male anfällt, liefert einen deutlich schnelleren Mehrwert als ein Vorgang, der nur einmal im Quartal ansteht.

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Standardisierbarkeit

Folgt der Prozess klaren, logischen Wenn-Dann-Regeln? Automatisierung erfordert Vorhersehbarkeit. Aufgaben, die viel Bauchgefühl erfordern, sind anfangs ungeeignet.

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Zeitaufwand

Wie viel manuelle Arbeitszeit bindet die Aufgabe aktuell im Team? Die Befreiung von zeitfressenden Routinen spüren deine Mitarbeiter am deutlichsten.

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Fehlerkosten

Wie teuer, ärgerlich oder rufschädigend sind typische menschliche Fehler in diesem Prozess? Maschinen tippen keine Zahlenfolgen falsch ab.

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Datenverfügbarkeit

Liegen alle notwendigen Informationen bereits digital und in strukturierter Form vor? Medienbrüche, wie handschriftliche Notizen, erschweren den Start extrem.

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Risiko

Was passiert, wenn das System kurzzeitig stoppt? Für den Start solltest du Prozesse wählen, bei denen ein Fehler nicht sofort den Geschäftsbetrieb gefährdet.

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Strategischer Nutzen

Schafft die Automatisierung echten Freiraum für wertschöpfende Aufgaben? Wenn dein Vertriebsteam weniger Daten abtippt, kann es mehr Kunden beraten.

Die Bewertungsmatrix: Ein praktisches Beispiel

Um deine Prozesse objektiv zu vergleichen, kannst du eine einfache Matrix nutzen. Vergib für jedes der sieben Kriterien Punkte von eins bis fünf. Fünf steht dabei für eine optimale Eignung zur Automatisierung. Der Prozess mit der höchsten Punktzahl wird dein erstes Pilotprojekt.

Nehmen wir ein nachvollziehbares Beispiel: Wir vergleichen die automatisierte Verarbeitung von Eingangsrechnungen mit der Bearbeitung von individuellen, komplexen Kundenreklamationen.

Kriterium Eingangsrechnungen Kundenreklamationen
Häufigkeit Fünf Drei
Standardisierbarkeit Fünf Eins
Zeitaufwand Vier Vier
Fehlerkosten Vier Fünf
Datenverfügbarkeit Vier Zwei
Risiko Vier Eins
Strategischer Nutzen Vier Zwei
Gesamtpunktzahl Dreißig Achtzehn

Wie du siehst, schlägt der strukturierte Rechnungsprozess die emotionale Reklamationsbearbeitung deutlich. Wenn du mehr über die grundlegende Funktionsweise solcher Systeme erfahren möchtest, findest du in unserer Übersicht zur Automation und KI weitere Einblicke.

Geeignete und ungeeignete Kandidaten im Alltag

Welche Abläufe schneiden in dieser Matrix typischerweise gut ab? Hier sind konkrete Beispiele aus verschiedenen Bereichen eines typischen KMU, die sich hervorragend für den Anfang eignen:

  • Vertrieb: Die automatische Erfassung von Leads aus Webformularen direkt ins System inklusive einer sofortigen, personalisierten E-Mail.
  • Kundenservice: Das Zuweisen von Support-Tickets an den richtigen Mitarbeiter anhand von bestimmten Schlagwörtern im Text.
  • E-Commerce: Die Synchronisation von Lagerbeständen zwischen dem Onlineshop und dem lokalen Warenwirtschaftssystem in Echtzeit.
  • Marketing: Der vollautomatische Versand von Follow-up-Nachrichten, nachdem ein potenzieller Kunde ein Whitepaper heruntergeladen hat.
  • Administration: Das Auslesen, Kategorisieren und Ablegen von Dokumenten in die richtigen Ordnerstrukturen der laufenden Buchhaltung.

Völlig ungeeignet für den Start sind hingegen Prozesse, die ethische Entscheidungen erfordern, sehr emotionale Kundenkontakte beinhalten oder bei denen sich die rechtlichen Rahmenbedingungen ständig ändern. Auch Prozesse, die ohnehin schon ineffizient und unübersichtlich sind, solltest du meiden. Wenn du einen schlechten Prozess automatisierst, hast du danach lediglich einen schnellen schlechten Prozess.

In fünf Schritten zum erfolgreichen Automatisierungs-Pilotprojekt

Hast du den perfekten Startprozess gefunden? Dann gehe methodisch vor. Dieser erprobte Pilotablauf hilft dir, Frustrationen zu vermeiden:

  1. Ablauf exakt dokumentieren: Zeichne den Prozess auf, als würdest du ihn einem neuen Mitarbeiter erklären. Jeder Klick und jede Entscheidung muss klar sein.
  2. Werkzeuge evaluieren: Prüfe, welche Schnittstellen deine bestehende Software bietet. Oft lassen sich Werkzeuge ohne Programmierkenntnisse effizient verknüpfen.
  3. Testumgebung aufbauen: Baue den Prozess zunächst mit Testdaten nach. Nutze niemals echte Kundendaten für den ersten Probelauf.
  4. Pilotphase starten: Lass die Automatisierung für wenige Tage parallel zur menschlichen Arbeit laufen und vergleiche die Ergebnisse.
  5. Team schulen und ausrollen: Wenn alles fehlerfrei läuft, übergibst du das System an dein Team. Erkläre genau, wie man eingreift, falls doch ein Problem auftritt.

Weitere methodische Ansätze und praktische Tipps für deinen Geschäftsalltag findest du auch in unserem Ratgeber.

Wichtige Rahmenbedingungen: Datenschutz, Freigaben und Wartbarkeit

Ein oft unterschätzter Aspekt bei der Digitalisierung ist die Nachhaltigkeit der eingeführten Systeme. Jede Automatisierung muss dauerhaft wartbar bleiben. Das bedeutet, dass die Prozesse lückenlos dokumentiert sein müssen, damit sie auch dann noch verstanden werden, wenn der ursprüngliche Ersteller das Unternehmen verlässt.

Beachte zudem konsequent den strengen Datenschutz. Gerade wenn personenbezogene Daten automatisiert verarbeitet oder zwischen verschiedenen Cloud-Systemen übertragen werden, müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen einwandfrei geklärt sein. Ein entscheidender Faktor ist das bewährte Prinzip der menschlichen Freigabe. Bei sensiblen Vorgängen sollte das System die Vorarbeit leisten, aber ein Mensch den Button klicken.

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